Mit dem Bulli nach Polen ... wieder mal ein etwas anderer Reisebericht

  • Wie ja einige wissen, fungiere ich seit einigen Jahren als Turniertrottel für eine meiner Töchter. Im letzten Jahr wurde ich zum Oberturniertrottel befördert, weil ich das Pferd alleine verladen kann und auch Stollen rein- und rausdrehen kann. Inzwischen habe ich mir dafür etwas besseres Werkzeug besorgt, einen Ratschenschlüssel. Nachdem eine Freundin 2 Tage vor geplanter Abreise abgesagt hatte, bin ich erneut eingesprungen, um dem Mädchen ihre Chance auf Teilnahme an den nächstjährigen Deutschen Meisterschaften nicht zu versauen. Alleine wollte ich sie jetzt nicht wirklich mit VW Bus hochlang plus Anhänger und Zossen nach Polen fahren lassen, Gesamtzuggewicht so etwa 4,7 Tonnen. Anhängerführerschein hat sie extra gemacht, damit ich nicht immer mit muss und sie auch mal das Pferd von A nach B allein bringen kann.


    Ich konnte erst am Donnerstag Mittag nach einem wichtigen beruflichen Termin losfahren und bin noch in Businessklamotten in den Bus gesprungen, zum Reiterhof gefahren, Anhänger angehängt, Pferd verladen, E-Quad und E-Bike verladen etc und ab auf die A4 Richtung Görlitz. Duch die großen AT-Räder brauchte ich eine Geschwindigkeit von > 105 km/h, um im 5. Gang fahren zu können, drunter war ich außerhalb des Turbobereichs. Ok. Ich also der Tochter theoretisch das Anhängerfahren mit Schaltwagen erläutert, das Anfahren am Berg usw. Davor hat sie ja Mordsrespekt. Am besten massig Leistung und Automatik, drauf treten und gut ist es. Ich hatte ihr daraufhin dann einen gebrauchten Touareg V6 TDi besorgt, der in etwa dem Verkaufspreis eines meiner (10 Jahre älteren) T4 entsprach. Das hat gepasst und sie furchtbar verwöhnt. Ich habe ihr schon angekündigt, dass ich nicht noch ein Zweitauto für ihre Turnierzwecke vorhalten könne (wolle), in dem sie auch übernachten kann. Ansprüche haben diese Kinder ... oder Wünsche ... "Die anderen haben auch große Turnier-LKWS". Ja, weiß ich. Aber auf Geld kann man nicht reiten, ist immer meine Standardantwort. Außerdem sind "die anderen" in der Regel Berufsreiter, Olympiasieger usw., die auch ihre Sponsoren haben.


    Im Vorfeld musste sie eine amtstierärztliche Untersuchung machen, kostenpflichtig. Dann wurden ihr irgendwie "Frachtpapiere" ausgehändigt, meine Tochter war auf einmal Transportunternehmerin. Hat sie sich selbst drum gekümmert. Es lief überraschend gut, zahlreiche Tschechen, Polen, Weißrussen, Russen, Litauer und Ukrainer auf der A4 gen Osten unterwegs. Nervig sind allein die Kleinlaster mit Wohnkabine über dem Fahrerhaus. Die sind wie Schmeißfliegen. Wir hatten den Hinweis, kurz nach der Grenze zu Polen eine bestimmte Tankstelle anzufahren, wo ich "Viatoll" machen müsse. Eih, ich will doch nur mit dem Bulli nach Polen und habe nen Anhänger mit Zossen hinten dran. Ich will auch garantiert wieder zurück. Egal. Ich musste ein Piepsgerät besorgen, komplette Neuanlage meiner Daten, eine knappe Stunde war schnell um. Und das direkt an der Kasse einer Autobahn-Tanke. Irgendwann haben sie dann noch ne zweite Kasse aufgemacht, weil die Schlange schon ziemlich lang war. Mit meinen Eintragungen in den Papieren konnte der Mensch, der nur polnisch sprach, absolut nichts anfangen. Euro 0, weil die ganze Geschichte mit PM-1 und Euro schlagmichtot steht da zwar, aber eben nicht auf polnisch. Egal. Sind ja nur 120 km auf der polnischen Autobahn nach Strzegom, dem traditionellen Jahresabschlussturnier in der Szene in Europa. So wurde ich zum Trucker.


    Das Gerät "Tollbox" an die Frontscheibe, nach Bedienungsanleitung aktiviert und los ging es. Prima, 1x Piepen bedeutet, Transaktion erfolgreich, alles im grünen Bereich. Und es piepte auf der Strecke in einer Tour. Ich bin fast wahnsinnig geworden. Es fehlte nur das Geräusch der Registrierkasse "Rrrrrringggggg" und wieder Kohle vom Konto runter. Gott sei Dank war es Prepay. Wenn alle dann alle. Plötzlich piepte es zweimal. Sone Schei..e, was bedeutet das jetzt? Bedienungsanleitug, 2x Piepen = Transaktion erfolgreich, aber Guthaben neigt sich dem Ende zu. Und das schon auf der Hälfte der Hinfahrt. Haben die mir da nen 40 Tonner eingepreist oder was? Und wieder und wieder dieses 2x Piepen. Und was dann? Gibt es da noch ne Steigerung? 3x Piepen ist nicht vorgesehen. Aber 4x Piepen. "Transaktion nicht erfolgreich. Bitte suchen Sie sofort eine Distributionsstelle auf." Ab da waren wir glücklich, dass es immer nur 2x piepte.


    In Strzegom im Dunkeln angekommen war das ganze Gelände zugeparkt mit riesigen Sattelzügen und LKW in Schwertransport-Größe. Slideouts an allen Ecken und Enden und wir mit unserem Bulli. Wie in einem Trabant unter lauter Rolls-Royce. Aber erst einmal musste der Zossen verschafft werden. Wir hatten eine Box im Stallzelt geordert. Stallzelt? Es waren 10 Stallzelte! So etwas hatte ich noch nie gesehen. Insgesamt 400 Pferde aus ganz Europa und Übersee. Reiter aus ingesamt 26 Nationen. Hätte sie mir ja mal vorher sagen können, also vollständig sagen können. Mega Sicherheitsvorkehrungen, sauteure Pferde und was auch immer. Anhänger weitab auf Parkplatz "für Arme" geparkt und tatsächlich mit dem Bulli noch nen Platz unter einem Baum gefunden, etwas schräg und direkt hinter einem der Groß-LKW, gefühlt doppelt so hoch wie der hochlang. Markise konnte nicht ausgefahren werden, aber das habe ich am Folgetag korrigiert, in dem ich mich umgekehrt hingestellt habe und die Markise genau zwischen Baum und Borke (LKW) passte, wenigstens ein paar Quadratzentimeter Privatsphäre. Direkt neben uns parkte Ingrid Klimke, aktuelle Einzel-Europameisterin aus August 2017 (wiederum in Strzegom) und mehrfache Olympiasiegerin, ggü, parkte Michael Jung, mehrfacher Olympiasieger auch in der Einzelwertung. Aha, das hat was und mittendrin die kleine Tochter, immerhin seit September 19 Jahre alt. Ingrid Klimke war übrigens mega nett und ist den Groß-LKW auch selbst gefahren mit Anhänger. Respekt!


    Das Reitgelände, super professionell, beeindruckend, beispielhaft. Die Verpflegung, unterirdisch. Jeder deutsche Kleinstadt-Reitverein macht das besser auf einem Bambini-Turnier. Bäh und nochmals bäh. Toiletten, eine Steigerung von unterirdisch nach unten und zwar deutlich. Für Männer 2 (in Worten zwei) Toiletten in einem Wagen, wenn man nicht irgendwelche Geheimkabinette auf dem Gelände kannte, ich nicht, oder zwei im Wortsinne überfüllte ToiTois benutzen wollte. Zwölfmal bäh. Und von den 2 (zwei) Toiletten war bereits am Samstag 1 (eine) defekt. Reparatur? Fehlanzeige. Schlange an Tooilette Nr.2 so groß, dass man sich schon anstellen musste, bevor man musste. Ok, ich an Schlange vorbei rein in defekte Toilette. Geschaut, was kaputt war und mit Bordmitteln (Hände) und Autoschlüssel und Flaschenöffner mit VW-zeichen :P repariert. Ich dann nach draußen, um mir meine Hände zu waschen. Da geht doch ganz frech ein Osteuropäer, die Nation nenne ich jetzt mal aus Rücksicht ggü. dem Gastgeberland nicht, an mir auf meine frisch reparierte Toilette, um dort sein Ei zu legen. Ich springe vom Waschbecken an die Tür, reiße sie auf und schnauze den Menschen an, ob er noch alle an der Waffel hätte. "Glauben Sie im Ernst, dass für Sie (!) ein deutscher Rechtsanwalt diese beschiss..ene Toilette repariert, damit Sie (!) Hilfsjogi (ich habe ein anderes Wort benutzt) dort ihr Ei legen können? Seh ich aus wie Ihr persönlicher Kloreparateur? Und jetzt aber "pis.. off" und hinten anstellen, Vollpfosten!" Er hat sofort reagiert und das Männerabteil verlassen. Ich war zornig. Im Pissoire-Bereich hat sich dann ein anderer, der die Szene mitbekommen hatte, vor Lachen fast auf die Schuhe gepinkelt. Er hat wohl Deutsch verstanden ... Und was macht der besagte Osteuropäer? Er versucht es im Frauenabteil! Da waren mehr Toiletten, da ja erfahrungsgemäß und geschlechtsspezifisch die Frauenseite mehr frequentiert wird. Aber da ist er an die Falsche geraten. Eine unüberhörbar italienisch sprechende Betreuerin hat dem eine Schimpfkanonade frisch aus einer neapolitanischen Vorstadt an den Kopf geworfen, die der nie wieder vergessen wird und ihn körperlich auch aus diesem Bereich heraus komplementiert. Mit puterrotem Kopf hat er sich relativ eilig getrollt.


    Turnier selbst lief durchwachsen, nach der Dressur im hinteren Mittelfeld, im Springen dann 4 Stangen. Schei..e, 16 weitere Strafpunkte und 15 Plätze zurück, nach hinten aber noch "Luft". Menno, wir sind zum Lernen hier! Dann kam ihre Paradedisziplin, das Gelände. Da braucht man echt "Eier", sagt man in der "Branche". Sehr tricky Hindernisse und auch noch hoch. Meine Nerven ... Sie startet in der Startbox wie der Teufel, Hindernis um Hindernis ohne Fehler. Ich dachte schon ... aber dann, Hindernis 10: Ein fieses Schweinehindernis, eine schmale Ecke, die man in gebogener Linie nach einem Wasseraussprung genau treffen musste. Vorbei geritten, Fehler. Weitere 20 Strafpunkte und natürlich Zeitfehler, weil sie das Hindernis ein zweites Mal anreiten musste. Dann aber die Aufgabe dem Pferd richtig und rechtzeitig vermittelt und problemlos übersprungen. Alle weiteren 15 Hindernisse super. Sie hat dann aber das Tempo ein wenig heraus genommen, weil eh nichts mehr zu reißen war. Gut so. Durch diesen beherzten Ritt wieder 7 Plätze nach vorne trotz des Fehlers. Aber andere haben eben auch Fehler gemacht, die meisten an Hindernis 10, so auch Ingrid Klimke und andere Topreiter, 4 oder 5 sind an diesem Hindernis sogar ausgeschieden, weil sie es auch beim dritten Versuch nicht schafften (1. Fehlversuch 20 Strafpunkte, zweiter zusätzlich weitere 40, dritter Ausschluss aus der Prüfung). Das hatte ich im Vorfeld nicht wirklich ernst genommen, im Gegensatz zu anderen Hindernissen, wo mir schon der Atem beim Anblick stoppte. Es fallen eben beim Gelände keine Stangen, sondern Pferde. Und das kann böse ins Auge gehen. Nicht ohne Grund tragen die alle Airbag-Westen.


    An der Siegerehrung brauchte sie da natürlich nicht mehr teilzunehmen. Das stand auch nie auf der Agenda. Aber mit diesem Ergebnis hat sie die Quali für die Deutschen Meisterschaften der jungen Reiter geschafft. Ihr großes Ziel. Natürlich sind junge Damen per se unorganisiert und ... na ja. Für das Leben im Bus braucht es da noch einiges an Erfahrung. Die wird sie aber künftig vermehrt alleine sammeln. Sie wird wohl lernen müssen, einen VW Bus mit Schaltwagen, begrenzten PS und Anhänger zu fahren. Aber nicht meinen, never.


    Und die Plätze mit den LKW und sonstigen Wohnmobilen leerten sich. Wer nicht aus dem Quark kam - meine Tochter. Ich ziemlich angepis..t. Aber was will man machen. Irgendwann sind wir dann auch gestartet. Und sie chattete und youtubte und vergaß dabei, mir rechtzeitig die letzte Tankstelle zu sagen, wo man das "Viatoll-Gerät" auslesen und wieder abgeben konnte, Kaution im Eimer oder wann komme ich nochmal nach Polen mit Anhänger? Ich werde das alles mal googeln. Es war ja am vergangenen Wochende richtig gutes Wetter, auch in Polen. Also Klimaanlage an. Es fing an zu riechen und eine richtige Kühlung kam auch nicht mehr. Es kam, wie es kommen musste. Geräusche aus dem Bereich des Vorderwagens und der Versuch, doch noch eine Tankstelle vor der Grenze anzufahren, um das Gerät zurückzugeben und noch ne Stange Zigaretten zu kaufen, veranlassten mich, die letzte Ausfahrt vor der Grenze abzufahren, direkt auf eine Tankstelle und LKW-Rastplatz. Motorhaube auf, im Leerlauf weiter laufen lassen. Und dann sah ich den Salat: Klimakompressor fest, Keilrippenriemen beim Zusehen gerissen. Motor natürlich sofort ausgestellt. Ende der Weiterfahrt. Und das Ganze in Polen mit Anhänger und Pferd. Herzlichen Glückwunsch!


    Als erstes hat meine Tochter eine Pferde-LKW-Fahrerin angefunkt, die wir zuvor überholt hatten und die ihre Pferde im gleichen Stall stehen hat, wie wir neuerdings auch unser Pferd. Positionsmitteilung per GoogleMaps, klasse diese Technik. Kann ich nicht. Aber meine Tochter. Die auch gleich reagiert, mit GoogleMaps direkt zu uns navigiert. Parallel dazu ich ADAC Notruf. "Wo bitte haben Sie die Panne?" fragte mich eine Computerstimme. Ich: "Polen, du Schnecke!" gebrüllt. Hat sie tatsächlich verstanden und mir die "Schnecke" ersichtlich nicht übel genommen. Polnische Warteschleife ... und Schleife ... und Schleife ... und Ansagen auf polnisch ... und Schleife. Und irgendwann ging jemand dran und sprach deutsch. Ich ihm die Positionsdaten als GPS-Koordinaten übermittelt, klasse diese Technik. Kann ich nicht, aber meine Tochter. Bis ich ihm erklärt hatte, was ich hatte und was ich brauche ... ok. Muss man Verständnis haben, ganz viel, richtig ausgesprochen viel Verständnis. Hatte ich, echt! Während wir sprachen, bog "unser" Rettungs-LKW auf den Parkplatz an der Tanke ein. Ok, damit hatten sich die Probleme gleich krass reduziert. Zossen abgeladen, Anhänger an den LKW umgehängt. Zossen wieder aufgeladen. Tochter umgeladen, Klamotten umgeladen und herzliche Verabschiedung. Glücklicherweise hatte sie am LKW sowohl ne LKW-Kupplung als auch ne PKW-Kupplung. Ja, aber da war noch die Frage des Führerscheins. Problem. Meine Tochter hatte den BE, also PKW mit Anhänger bis 3.500kg. Ihre Reiterfreundin hatte wohl einen der Klasse C. Jedenfalls LKW über 7,5 t, aber Anhänger nur bis 750 kg oder so ähnlich. Der Pferdeanhänger hat aber 2.500 kg. Trotzdem umgehängt. Sollte das Pferd in Polen bleiben oder der Anhänger mit E-Fahrzeugen für 1.700 €, unverschlossen? Never. Also Verabschiedung mit Anhänger.


    "Es wird Sie gleich unser Partnerunternehmen aus Görlitz anrufen." Jau dachte ich. Das kann ja dauern. Tat es aber nicht: Problem geschildert. Aber schickt mir jetzt nicht irgend so einen Pannenhilfsjogi. Ich weiß selbst, was kaputt sit. Also LKW mit Auflieger. "Wie hoch ist denn ihr Fahrzeug?" Na was in den Papieren steht, stimmt nicht so ganz. Höher gelegt und Dachspoiler, wie kann man auf nen hochlang bloß nen Dachspoiler montieren? Ok, ich schätze mal 2,55m. "Das wird aber eng!" "Wieso?" "Na ja, wegen der Brücken, Durchfahrtshöhe. Ich schicke Ihnen besser einen mit Brille." "Hä?" "Nein nicht den Fahrer, einen mit Abschleppbrille." "Lassen Sie den Quatsch sein und schicken mir einfach einen normalen Abschlepper, auf den auch nen VW Bus mit langem Radstand drauf passt." "Wie lang ist denn der Bus?" "Na ja, das was in den Papieren steht, stimmt nicht so ganz. Ist in Wirklichkeit 10-15cm länger wegen Umbau auf langen Vorderwagen." "Was ist das denn?" "Egal, schicken Sie einfach einen, auf den auch nen Sprinter drauf passt." Gesagt getan. Es kam einer mit Auffahrbühne und Brille :) . Brücken mit begrenzter Durchfahrthöhe gab es natürlich auch nicht. Wieso also hat er mir diese dämlichen Fragen gestellt? Egal. Ab nach Görlitz. Was machen wir jetzt? Ich hatte parallel schon meinen Kollegen angerufen. "Mach Dich mal bereit für ne Nachtfahrt. Du fährst hin, ich zurück. Ich habe ohnehin genug Adrenalin. Nimm den Q7, ich muss den ganzen Schnodder aus dem Bus noch umladen." Ich sehe auf dem Hof nen ADAC Clubmobil ... ;) Unter welchen Bedingungen kann ich das kriegen? "Mit nem defekten Keilriemen ganz sicher nicht, der kostet ja nur nen Fuffi. Da bekommen wir keine Freigabe." Sollte ich etwa da jetzt in ner Pension mit stundenweisem Betrieb aus dem Nachbarland übernachten und dann Maulaffen feilhalten, bis sie den Keilrippenriemen (so heißt der wohl) bestellt und eingebaut haben? Na ja, wir haben dann einige politische Ansichten ausgetauscht im AFD-Land. War gar nicht so einfach. Wir waren doch recht konträr. Nicht gerade förderlich für die Einsichten in die Notwendigkeit eines Anrufes zur Freigabe des Clubmobils. Aber es spielte ohnehin keine Rolle. Geschlagene 80 Minuten haben wir in diversen Warteschleifen verbracht, bis wir endlich jemand am Rohr hatten. Ab 18.00h ist Barcelona für das gesamte Ausland zuständig. Es wäre vielleicht besser gewesen, ich hätte den Bus noch die fehlenden 2-3 km bis zur Grenze nach Deutschland geschoben oder ziehen lassen.


    Freigabe erteilt! Endlich. Anmieten durfte ich das Clubmobil nicht. "Der gehört nicht uns. Den dürfen wir nur an Clubmitglieder im Schadenfall abgeben und auch erst nach vorheriger Freigabe." Nur für den Fall, dass jemand auf die Idee kommt, ich hätte den doch anmieten können. Geht eben nicht. Nicht für Geld und guten Worte. Ich also ... nein erst habe ich gefragt, ob es denn jetzt wirklich nen Opel sein muss ... im Tiefflug auf die Bahn, bei 190 war irgendwie Schluss. Bis mir einfiel, ist ja kein T4, also etwas jünger. Hat bestimmt nen 6-Gang-Getriebe. Jepp. War so. Aber trotzdem nicht schneller. Nach langem Anlauf waren es dann auch Strich 200 und Berg runter auch mal mehr. Dauervollgas. In Sangerhausen auf der A 38 musste ich nachtanken. Seit wann verbaut Opel 25l-Tanks? Waren irgendwie dann doch mehr. Meine anderen Heimfahrer hatten sich entschieden, wegen Sperrung und 15km Stau auf der A38 weiter auf der A4 zu bleiben. Tolle Entscheidung. Höhe Erfurt Polizeikontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte. Ihr Rücklicht ist defekt. Was für ne Sche..sse. Wenn es kommt, kommt es richtig. Ich den Anruf bekommen, während ich an der Tanke war. Menno, weiter seid ihr noch nicht? Hätte ich auch die A4 genommen, wäre ich in 3 Minuten da. Habe ich aber nicht. Anderes Ende von Thüringen. Mit Engelszungen geredet, was sie denn von einer mündlichen Verwarnung halten und so. Quasi übergesetzlicher Notstand usw. Sehr verständnisvoll, aber in Thüringen würde Fahren ohne Fahrerlaubnis nicht mit einer mündlichen Verwarnung geahndet. Ebenso wie im Rest der Republik. Weiterfahrt wird untersagt. Ende der Durchsage. Das Rücklicht war natürlich nicht defekt, nur die Kontakte in der AHK-Dose waren etwas korrodiert. Einmal rein und raus oder umgekehrt und alles war prima.


    Hatten die Hüter der Ordnung ja Recht. Was machen? Zossen kann man ja nicht auf der Autobahnraststätte umladen. Wenn der durchgeht, na Mahlzeit. Ich den Herren Ordnungshütern eindringlich vor Augen geführt, dass sie im Wege der Gefahrenabwehr die jungen Damen zur nächsten Abfahrt und dort zur nächsten Tanke oder Parkplatz begleiten sollen, damit das Pferd gefahrlos abgeladen werden kann. Auf dem LKW war noch eine kleine Ponybox frei, die stand mit Fahrrädern und anderem Gerümpel voll, was man halt so auf Turnieren braucht. Unser Pferd hat aber ein Stockmaß von über 180 cm, also knapp nen halben Meter mehr als ein Pony. Der arme ... :S


    Die also das Pferd erneut umgeladen, meine Tochter abgeladen, ihr Equipment / Klamotten wieder ausgeladen. Die Fahrräder und das andere Gerümpel in den verwaisten Pferdeanhänger eingeladen und Papa im Tiefflug / Drift von Sangerhausen nach Hause. Der arme Opel. Dort schnell umgesattelt auf Q7 mit Anhängerkupplung und dann den bisherigen Rekord nach Erfurt geknackt. Ich werde ihn nicht benennen. Aber da saß dann das Häufchen Elend auf der Anhängerdeichsel zwischen ihren Taschen ... Angekoppelt und ab nach Hause. Das hat exakt doppelt so lange gedauert. Danke fürs Zuhören. Dem Pferd geht es gut. Muss man aber wirklich nicht jeden Tag haben.

    Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.

  • dein Leben und die Vorkommnisse in Buchform zu veröffentlichen

    Blödsinn, auf den ganzen Scheiß hätte ich auch verzichten können. Sind ja ganz nette Anekdoten dabei gewesen, aber gebraucht habe ich die nicht wirklich. Letztlich geht es nur darum, aus derartigen Geschichten immer noch etwas Humorvolles herauszulösen, ansonasten wirst duu ja irre.


    Eigentlich ist die Story deswegen so lang geworden, weil ich ohnehin über die Tour berichten wollte und etliche Teile schon im Editor vorgeschrieben hatte. Die nicht geplante Wendung mit der Panne und dem ganzen Führerscheinkram kam on the top dazu. Ich wollte es dann aber nicht mehr kürzen.


    Quintessenz: Ich werde an keinem Turnier mehr als Trottel teilnehmen. Aktive Abnabelung. Der Touareg wird verkauft und sie bekommt nen umgebauten Turnierbus (T4) mit langem Radstand aus dem Bestand, aber kein Hochdach. Entweder sie kommt damit zurecht oder lässt es. Gern werde ich weiterhin zu Reitturnieren als Gast fahren, sonntags in feinen Klamotten und nicht in Dreck und Speck und Klos für Polen reparieren.

    Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.

  • Wer je eine Tochter mit Hang zu Pferden hatte, kann in der Tat Bücher schreiben.Hier unsere Anfänge: ab zum Händler in Raisdorf, einen bildhübschen Wallach namens " Knossos " gekauft . Kreuzung aus Haflinger und Norweger: dick, faul,breit. Beim ersten Aufzäumen mußte ich helfen, hielt den Kerl an der Mähne fest und sagte zu Töchterchen - mach hinne !! Das war sein Stichwort: mit mir in den Haaren galoppierte er ins Dressurgeviert , wo gerade unsere Elite im feinen Dress trainierten...
    Mitten zwischen denen warf er mich ab. Nein, er warf mich weg und fing an, sich im Sand zu kugeln. Unsere reiterliche creme de la creme war begeistert und ohne großen Aufwand waren wir bekannt im ganzen Reitstall, in der Sportanlage, in der Kleinstadt Raisdorf. Man hat den Ort später umgetauft in Schwentinental - alles wegen Knossos....

  • Hier unsere Anfänge:

    Ja, da kann man Bücher schreiben. "Vom Leben eines Turniertrottels", die will aber keiner lesen. Bei uns fing es mit einer Norwegerfjordstute an. Die wollte Sophia zum Springpferd machen :) , hat sie auch bis Klasse E geschafft, bis der Tierarzt den weiteren Springsport zum Leidwesen der Stute, die echt daran Spaß hatte, verboten hat.

    Wir könnten zukünftig eine Übernachtungsmöglichkeit inkl. Pferd anbieten.

    Mach dich nur lustig. :)

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  • Ich schulde Euch noch das strafrechtliche Ende: Ich habe mich sehr bemüht, Anklage und notwendigerweise Verurteilung konnten vermieden werden. Einstellung gegen Zahlung einer Geldbuße, die sich die beiden geteilt haben. Tat beiden mal richtig weh.

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