Bullitour 2017 die zweite: Istrien, Inseln, Wien und Prag

  • Erstmals hatten wir 2017 eine zweite größere Bullitour geplant und dann auch tatsächlich durchgeführt. Aufgrund eines Reitturnieres (im tiefsten Bayern) einer unserer Töchter sollte der Beginn der Tour damit verbunden werden. War allerdings zeitlich doch etwas grenzwertig. Mit dem Wetter hatten wir zwar richtig Glück, das hätte aber auch "voll in die Hose gehen" können. Solch ein Risiko werden wir nicht mehr eingehen, sondern künftig einfach 2 Wochen eher losfahren. Das war dann doch schon deutlich, dass in vielen Ortschaften, die wir besucht haben, Ende September die Jalousien runter gehen.


    Die Planung, zu dem Reitturnier mit zwei T4 hochlang zu fahren, haben wir wenige Stunden vor dem Start verwerfen müssen, da das Pferd überraschend doch nicht auf dem LKW einer Reiterfreundin mitfahren konnte und ich den orangen hochlang mit dem 68 PS ABL meiner Tochter als Zugfahrzeug nicht zumuten wollte oder umgekehrt. Da sind doch einige Steigungen zu überwinden und beladen plus Anhänger … na ja. Außerdem war das Gesamtzuggewicht noch auf 4000 kg begrenzt, bei vielleicht 2.000 kg Leergewicht des T4 und ca. 2.200kg Anhänger incl. Zossen irgendwie alles nicht wirklich zulässig, zumal der T4 ja noch ausgebaut und beladen war. Ich schätze, es wären so ca. 4.700 kg geworden. Ich bin ja noch am Schwanken, welchen Motor ich dem orangen hochlang spendieren möchte, wird wohl der AAB mit Klima aus der blauen Caravelle werden oder doch wieder ein ACV aus irgendeinem Spenderfahrzeug, den ich dann auf „grün“ bekomme, was den Verkaufspreis deutlich positiv beeinflusst. Aber ich schweife mal wieder ab … Jedenfalls hat meine Tochter dann doch ihren gewohnten Touareg mit V6 TDi genommen.


    Schwaiganger in Bayern ist schon eine sehr bemerkenswerte Reitanlage, das Gelände sehr anspruchsvoll und die Region so einladend, dass wir dort ganz sicher nochmal hinfahren werden, zumal die Campingplätze an den dortigen Seen wirklich klasse sind. Mit dem Turnierergebnis waren wir auch zufrieden, Teil 1 der Qualifikation für die deutschen Meisterschaften der „jungen Reiter“ erreicht, Teil 2 findet kommendes Wochenende in Polen statt. Es wird international und mit unserem Lowprice-Equipment merkt man im Vergleich schon sehr deutlich, dass wir die absolut unterste Range abbilden. Da kommen die mit 150.000€ LKWs und ebenso teuren Pferden. Ähm, was für eine Liga ist das denn? Da liegen wir bei deutlich unter 10%. Bin da auf der Suche nach was (für uns) Passendem, vielleicht ein Allrad-Crafter mit Spezialausbau? Aber ich schweife schon wieder ab …


    Natürlich haben wir uns auch in der Umgebung ein wenig umgeschaut.

  • Von dort aus ging es zunächst zum Faaker See. Ich hatte da einen wirklich schönen Campingplatz ausgesucht, Strandcamping Anderwald, aber im Regen ist es nicht so prickelnd. Morgens ging es gleich weiter Richtung Kroatien. Schon in Slowenien entschieden wir uns aufgrund der Wetterlage aber, nicht gleich zu den Plitvicer Seen zu fahren, sondern vielmehr die Tour umgekehrt zu fahren, also direkt nach Istrien auf einen Campingplatz nahe Rovinj. Auch den hatte ich im Vorfeld ausgesucht und wir waren regelrecht begeistert, sehr nettes Personal und ein wirklich begnadetes Restaurant („Barba Danilo“) neben dem Platz, das weit über die Grenzen hinaus bekannt ist, Reservierung auch in der Nebensaison und während der Woche dringend erforderlich. Niveau: Gourmetküche! Nicht ohne Grund Nr.1 bei Tripadvisor für Rovinj. Das Restaurant war eigentlich der Hauptgrund für die Auswahl des Platzes, dies nicht nur, weil man dann nach reichlichem Genuss berauschender Getränke die 100m bis zum Bulli stolpern kann. Ich hatte übrigens u.a. rosa gebratenen Thunfisch mit Sesamkruste und als Dessert Gorgonzolaeis mit Birne. Letztlich blieben wir dort 4 Tage, die wir auch mit Ausflügen ins Hinterland und andere Städte verbrachten.


    Rovinj
    Für mich ist Rovinj die schönste und lebendigste Stadt in Istrien. Blöderweise sehen das neben mir auch noch sehr viele andere so. Deswegen ist Rovinj in der Saison total überlaufen, selbst in der Nebensaison treten sich die Leute dort teilweise auf die Füße. Leider hatten einige schöne Locations (Bars) schon geschlossen, aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass bis Ende September noch der Großteil geöffnet ist und auch das Wetter in aller Regel mitspielt. Ich laufe immer wieder gerne die engen Gassen und Sträßchen hoch und runter, entdecke immer wieder was Neues und auch meine Lieblingseisdiele verkauft immer noch ihr spezielles Orangeneis (gemischt mit irgendwas anderem, hat mich nicht interessiert, war aber mega lecker). Die Nepp-Lokale hat man gelernt zu meiden, die klugen Leute folgen den Einheimischen.

  • Vrsar und Poreč


    Auf dem Weg von Rovinj nach Vrsar passiert man den sog. Limski-Kanal bzw. Limfjord, ein enger Meeresarm, der sich wie seine deutlich größeren Brüder in Norwegen tief einschneidend ins Landesinnere erstreckt. Kann man mal ansehen. Vrsar selbst präsentiert sich deutlich ruhiger als Rovinj, hat natürlich auch viel weniger Einwohner und auch deutlich weniger Besucher. Das macht das kleine Städtchen aber ein wenig zum Geheimtipp, denn auch dort lässt es sich in engen Gassen schlendern, schlemmen und bummeln, der öffentliche Strand- bzw. Badeabschnitt ist sogar ein Highlight. War wohl mal ein ehemaliger innerstädtischer Campingplatz auf einer kleinen Landzunge. Richtig gut (naturbelassen) gemacht und tolle Lokale in unmittelbarer Nähe. Da lohnt auch mal ein längerer Aufenthalt!


    Poreč mit seinen knapp 17.000 Einwohnern ist neben Rovinj und Pula (das wir diesmal ausgelassen haben) die wohl wichtigste Küstenstadt in Istrien und auch mit eine der schönsten, einen Besuch definitiv wert. Auch hier sind wir wieder durch Gassen und Sträßchen geschlappt, sind hier und dort eingekehrt und haben einfach den „lieben Gott einen guten Mann sein lassen“. Ein wenig UNESCO-Weltkulturerbe war auch dabei.


    Im Bereich der Kulinarik war es doch etwas schwieriger, als wir bei der Planung gedacht hatten. Auch wenn Istrien ganz nennenswert italienisch / venezianisch geprägt ist und man dies auch und insbesondere an der dortigen Küche deutlich merkt: Das Auffinden wirklich guter Lokale ist weitem nicht so einfach wie in Italien. Oft entdeckt man dort im tiefsten Hinterland irgendeine Nonna, die schon seit Jahrzehnten nach den überlieferten Rezepten der Familie mit einheimischen Produkten eine ehrliche Küche abliefert. Slow Food nennt man das inzwischen. Das gleichlautende Bemühen in Istrien ist spürbar, aber in weiten Teilen ist es eben noch ein Bemühen. Es überwiegt doch die deutlich fleischlastige Küche mit dem allgegenwärtigen Mangold-Kartoffel-Stampf als Beilage. Da müssen wir uns künftig noch mehr im Vorfeld schlau machen, da die positiven Zufallsfunde doch sehr begrenzt waren (aber vorhanden!).

  • Grožnjan und Pazin


    Ein weiterer Ausflug führte uns ins Hinterland nach Grožnjan, einem kleinen sog. Künstlerdorf. Diesen Beinamen verdankt Grožnjan dem Umstand, dass ein kluger Kopf vor 50 Jahren auf die Idee kam, die verlassenen und teilweise verfallenen Gebäude für einen symbolischen Betrag an Künstler zu übertragen, die sich als Gegenleistung um Erhalt und Renovierung der Gebäude kümmern mussten. Heute schmücken über 200 Galerien (ich habe sie nicht nachgezählt, aber es waren wirklich viele) den kleinen Ort. In einem Wort: Sehenswert! Aber wie immer auch hier am Rande oder in der Mitte mal wieder etwas über das Essen: In der Zeit von September bis November ist Trüffelzeit in Istrien! Ich mag ja Trüffel. Es war auch kein Zufall, dass wir uns in dieser Zeit in Istrien aufgehalten haben, andere fahren ins Perigord oder Piemont – aus den gleichen Gründen, nur zum Vielfachen dessen, was wir für die Tour ausgegeben haben. Ok, die suchen die Trüffel dort mit Schweinen, in Istrien mit Hunden. Schmecken tun sie deswegen auch nicht schlechter und die Hundenasen sind weiß Gott nicht die schlechtesten. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich mag nicht nur Trüffel, ich liebe sie! Daher habe ich mir etliche Gerichte mit gehobelten Trüffeln servieren lassen und sogar einen Trüffelkäse mit nach Hause retten können, zumindest einen Teil davon.


    Über Montavun, das Herz der istrischen Trüffelregion, erreichten wir dann Pazin, das aufgrund seiner zentralen Lage und wohl auch seiner historischen Bedeutung Sitz des Regionalparlaments von Istrien ist. Ich fand es eher enttäuschend, die „Burg“ war ganz hübsch, auch die Lage über der Fojba-Schlucht, der „Abgrund von Pisino“, der Jules Verne als irgendeine Romanvorlage gedient haben soll. Ah ja, gut zu wissen.

  • Cres


    Irgendwann musste die Reise auch mal weiter gehen und wir setzten mit der Fähre über nach Cres, eine Insel, die wir noch nicht kannten. Cres ist überwiegend sehr karstig, lang gezogen und objektiv nicht wirklich einladend. Ich mag aber diese Art Landschaften, auch wenn es teilweise sehr windig und kalt war. Die Fahrt von der Fähre hoch auf die Insel ist erst einmal eine Art kilometerlange Rallye durch eine wirklich eindrucksvolle Landschaft (jedenfalls für mich). Da wir quasi wieder einmal als Vorletzte noch auf die Fähre rutschten, hat man natürlich nicht so gute Karten in der Schlange der Fahrzeuge, die sich die Berge „hoch quält“. Warum auch immer waren wir irgendwann im „vorderen“ Drittel. Es ist ja nicht so berauschend, mit einem 30 Jahre alten Ducato-Wohnmobil mit riesen Alkoven die Serpentinen hoch zu fahren, erst recht, wenn man sich permanent verschaltet. Noch weniger berauschend ist es aber für die dahinter fahrenden Fahrzeuge. Gott sei Dank verflüchtigten sich die vor uns fahrenden Fahrzeuge so nach und nach, die meisten in den Hauptort Cres, während wir weiter fuhren nach Lubenice.


    Auch hier handelt es sich um einen kleinen Bergort, teilweise verfallen, jedoch mit einer grandiosen Panoramasicht. Einige Künstler haben sich auch schon dahin verirrt, nur noch keine richtigen Köche, dazu aber später. Die Anfahrt gestaltete sich schön abenteuerlich, für Wohnmobile und natürlich Gespanne zu Recht gesperrt. Deswegen haben sich nach ganz oben auch nur PKW und VW Busse getraut.


    Das allseits gelobte Restaurant (deswegen sind wir da nicht hochgefahren, wir hatten einfach nur Hunger, als wir oben waren) entpuppte sich als liebevoll gestaltete und eingerichtete Hütte im Ort, es roch wunderbar und uns tropften die Zähne. Blöderweise war das sich so lecker auf dem Spieß drehende Lamm noch lange nicht fertig, also nahmen wir das, was es gab: Ich hatte Lammleber mit Polenta, Birgit Wildschweinragout mit Polenta, dazu einen gemischten Salat. Ich beschreibe unsere bestellung so genau, damit man sich vorstellen kann, wie unsere Gesichter bei der „Essensanlieferung“ aussahen. Ich bekam Lammlebersuppe auf einem flachen Teller mit 5mm klein geschnittenen Stückchen und 2 Streifen Polenta links und rechts daneben, Birgit das gleiche, nur halt 5mm Wildschweinstückchen. Aber wenn man Hunger hat … Wir haben dann doch keine Miene verzogen und uns der Erschließung der erforderlichen Esstechnik gewidmet. Letztlich muss man wohl die Polenta mit der Sauce / Suppe so vermanschen, dass es einen bräunlichen Brei gibt. Nimmt man den dann zu sich, freut man sich wie ein Schneekönig über die kleinen Stückchen. Möglicherweise liegt diese Zubereitungsform auch daran, dass es dort so wenige Zahnärzte gibt. Alles Spekulationen, aber das waren halt unsere Gesprächsthemen in solchen Momenten. Mit genügend Wein und / oder Pivo herunter gespült, erfüllt das Essen dann doch seinen vordringlichsten Zweck, es macht satt. Wir haben sogar dafür bezahlt, auch ohne eine Miene zu verziehen.


    Den Abschluss des Tages bildete der Campingplatz „Slatina“, schöner Stellplatz am Meer, aber mehr als eine Übernachtung wollten wir uns wirklich nicht zumuten. Zu windig, zu ungemütlich, keine Atmosphäre. War nichts für uns.

  • Losinj


    Ganz im Gegensatz dazu war die „kleine grüne Schwester“ von Cres, die Insel Losinj, dann wieder ein absolutes Highlight, wo wir uns wieder mehrere Tage aufhielten. Mali Losinj und Veli Losinj sind die beiden Orte, die man in jedem Falle besuchen muss! Mali Losinj steht dabei dem weitaus bekannteren Rovinj in Istrien in nichts nach, Veli Losinj ist wiederum ein kleiner Geheimtipp. Wir haben auf dem „Camping Cikat“ übernachtet und waren sehr überrascht, wie viele Rentner in ihren umgebauten Wohnmobilen auf Ducato-Basis plus Derivaten (Citroen Jumper und Peugeot Boxer) dort ebenfalls die letzten warmen und windstillen Sonnenstrahlen genossen haben. Ganz offenbar ein Rentner-Womo-Tipp der ersten Güte. Ich habe bislang kein Forum gefunden, wo sich die reisenden Rentner derartige Tipps austauschen. Jedenfalls definitiv zur Nachahmung empfohlen! Im Meer konnte man noch bei wirklich angenehmen Temperaturen baden, die Sonnenuntergänge waren sehr malerisch, das Zentrum der Stadt Mali Losinj in 20 Minuten easy fußläufig zu erreichen, wenn man tagsüber flanieren / shoppen oder abends essen gehen wollte. Das nächste Mal nehmen wir definitiv Fahrräder mit, ich hatte nur noch keinen passenden Träger gebaut, da ich den Jesteburg-Träger für die hohen Flügeltüren nicht nehmen wollte und mir die Träger für die Anhängerkupplung bis heute nicht wirklich koscher sind. Ich werde mir einen solchen kaufen und mit zusätzlichen Befestigungen am Träger der Anhängerkupplung selbst (links und rechts unterhalb der Stoßstange) versehen. Beim T4 ist der AHK-Träger ja recht einfach zu tauschen. Mal sehen …

  • Krk


    Nach ein paar Tagen ging es dann weiter per Fähre auf die Insel Krk. Dort besuchten wir den Hauptort Krk, Baška, Vrbnik und Silo, wo wir auf dem „Campingplatz Tiha“ übernachteten. Die Website und die Realität können kaum weiter auseinander gehen. Egal, war ja nur für eine Nacht.


    Der Hauptort Krk selbst ist wirklich sehenswert, das sollte man nicht versäumen. Die Marienkathedrale und das Kastell der Frankopanen sollen wohl die Hauptsehenswürdigkeiten sein. Auch hier haben wir es eher mit einem meinen Lieblingssprüche von Erich Kästner gehalten: „Toren besuchen im fremden Land die Museen, Weise gehen in die Tavernen.“ Und so hielten wir Einzug in ein wirklich schön anmutendes Lokal mit ansprechender Speisekarte. Ich wählte ein Rinderfilet (mit Trüffeln, was sonst). Irgendwie gelten in Kroatien andere Maß-, vor allem Gewichtseinheiten. Wie aus 250g, die ich bestellt und letztlich bezahlt habe, schwupps, maximal 150g werden, bleibt wohl deren immer währendes Geheimnis, der Gewichtsverlust beim Grillen macht jedenfalls keine 40% aus. Und die Trüffel? „Upps, vergessen. Aber die sind bei uns sowieso nur in der Sauce, die liefern wir Ihnen sofort nach.“ Umgerechnet 5€ Aufpreis, der Hirnie, für Sauce, die Trüffel mal von weitem gesehen hatte. Konnte er stecken lassen. Ich bin ja sehr gelassen (manchmal, im Urlaub sehr viel öfter), aber beim Essen verstehe ich dann keinen Spaß mehr, wenn die Nummer in Richtung „Verarsche“ tendiert. Dann kann ich auf einmal auch kroatisch.


    Mehr als wett gemacht wurde dieses kulinarische „Erlebnis“ durch ein gegenteiliges am Folgetag in Vrbnik. Die „Taverna Nada“ war neben (oder gar vor) dem „Barba Danilo“ in Rovinj unser Highlight während der gesamten Tour. Schade, dass wir das Restaurant so spät entdeckt haben. Das wäre es mehr als wert gewesen, dort ein zweites oder zwölftes Mal zu speisen, zumal sich die Preise absolut im Rahmen bewegten. Ich hatte Seeteufelfilet und was für eines, dazu einige Centiliter Wein und der Tag ist dein Freund. Und an dem Tag war ich mit eben diesem außerordentlich eng befreundet. Ach so ja, die Stadt: Wiederum sehenswert. Es braucht aber noch 5-10 Jahre, bis die Stadt, die eine ähnlich traumhafte Lage hat, mit Rovinj Schritt halten kann. Dann aber wird es richtig los gehen. Ich muss mal schauen, was die Immobilien in dem alten Stadtkern aktuell kosten …

  • Novi Vinodolski und Plitvicer Seen


    Langsam stand die Heimreise an, die wir in gemütlichen Etappen geplant hatten. Nachdem wir ja aufgrund der Witterungsverhältnisse die Plitvicer Seen am Anfang der Tour ausgelassen hatten und diese gegen den Uhrzeigersinn gefahren sind, wollte ich mir diesen wirklich tollen Nationalpark nicht entgehen lassen. Also über die Brücke aufs Festland, in der Nachsaison kostenlos!, und die Küstenstraße runter bis Novi Vinodolski. Na ja, die Saison war vorbei, auch hier die Jalousien runter gelassen. Zusammengefasst ein in der Hochsaison erkennbar pulsierender moderner Ort mit tollen Locations, Chillout-Lounges usw. Jetzt tot. Also weiter …


    Das Wetter spielte weiter mit. Vielleicht wird es ja noch etwas. Die Vorhersagen waren allerdings düster. Abends am Nordeingang angekommen, es war gerade 18.00h, closed. Aber wir wollten ja ohnehin nicht im Dunkeln im Park mit Taschenlampe spazieren gehen und Bären streicheln. Schnell heimlich noch reingeschlichen und am „großen Wasserfall“, der direkt am Eingang liegt, ein paar Fotos gemacht. Der nächste Tag sollte die 4-stündige Tour B mit Elektroboot und Train beinhalten, Verpflegung war bereits im Market besorgt, die Trinkflaschen gepackt. Der Campingplatz „Korana“ war unsere Wahl für die Vorübernachtung. Ich kenne ja McDrive in Schnellrestaurants, aber dass es das auch bei Campingplätzen gibt, hatte ich bis dahin nicht gewusst. „Guten Tag, Sie sind bei Korona, Ihre Bestellung bitte“ oder so ähnlich auf kroatisch und dann auf englisch. Ok, ging, sogar sehr schnell. Stellplatz auf dem weitläufigen Areal gesucht und gefunden und ab in die Falle.


    Pünktlich zum geplanten Aufstehen ging der Regen los. Warum müssen diese shice Vorhersagen auch stimmen? Ich hatte ja noch auf wetter.com gehofft. Bei denen sollte der Regen erst um 11.30h beginnen und nicht um 7.30h wie bei wetter.de. Was tun? Regenklamotten hatten wir ja dabei, aber was soll ich im wirklich strömenden Regen im Park rumlatschen? Fotos auch nicht möglich. Entscheidung: A…lecken, der Park läuft uns nicht weg, auf nach Wien!

  • Wien


    Manchmal ist es gut, wenn man Reiseliteratur mitführt auch von Gegenden oder Städten, die eigentlich gar nicht geplant waren. Aber es hätte ja sein können, dass uns irgendwelche Wege vielleicht dorthin führen, weiß man ja nicht vorher. Insbesondere wenn man Ende September / Anfang Oktober mit dem Bulli unterwegs ist und keinen Bock auf Regen hat. Notfalls hätte ich die ganze Tourenplanung sausen lassen und wäre bis nach Griechenland gefahren. Das habe ich meiner Frau aber erst hinterher gesagt. Also „Merian“ Wien hatte ich dabei. Auf der Fahrt Regen, Regen, Regen. Unterwegs machte der schwarze hochlang irgendwelche Geräusche, die ich nicht näher lokalisieren konnte, jedenfalls nur im Fahrbetrieb und Tourenzahl abhängig. Shice. Macht jetzt der Turbo die Grätsche oder die Lichtmaschine? Ersteres wäre ja noch irgendwie gegangen, aber die Lichtmaschine war sowieso eine Spezialnummer, 140A mit Anpassungen an mein Spenderherz aus dem Krankenwagen. Da hätte ich nie passenden Ersatz bekommen. Ok, hat sich dann irgendwie wieder verflüchtigt.


    Ich war ja schon in Wien, Birgit nicht. Parkplatz gefunden direkt vor dem Rathaus. Parkticket ziehen? Nein, das geht doch heute alles viel moderner. Sie müssen das online machen. Aha. Und wie ausdrucken? Na ja, die Touristen parken woanders. Quintessenz: Erneutes A…lecken! Den können die da sowieso nicht abschleppen, geschweige denn mit nem Kran aufladen oder so, dachte ich. Im Rathaus ist auch gleich das Ordnungsamt mit den ganzen Politessen beheimatet, also da, wo ich parkte. In Österreich waren ja auch gerade Parlamentswahlen, die Stadt voller Polizei. Alle waren nervös und spielten an ihren Waffen und Schutzwesten. Und mittendrin vor einem öffentlichen Gebäude parkt ein schwarzer Kastenwagen. Hatte ich mir jetzt nichts bei gedacht. Erst hinterher. Da fing Birgit an, von Parkkrallen zu erzählen, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte und von Terroristen und Bomben usw., die ja bevorzugt in Kastenwagen platziert werden. Und da gibt es so Sprengroboter, die jagen mal vorsorglich so ein Auto in die Luft, könnte ja was Gefährliches drin sein. Die wichtigsten Sachen hatte ich am Mann. Wenn die die Karre sprengen, regnet es Schmutzwäsche und Flüssiges aus dem Campingklo. Nur um meinen Trüffelkäse wäre es echt schade gewesen.


    Und Wien? Grandios, überwältigend, beeindruckend. Was soll man da noch sagen? Vielleicht noch eines: Wien sollte aufpassen, nicht in ein österreichisches Disneyland für asiatische Europaurlauber zu mutieren. Menschenmassen, Reisegruppen und Busladungen voller Tagestouristen bis zum geht nicht mehr. (Es ging noch mehr, dazu aber später!). Museen über Museen, öffentliche Gebäude und Institutionen für ein Land, was bestimmt 250 Millionen Einwohner hat, denken die Koreaner, Chinesen und Japaner. Und war Österreich nicht auch das Land, wo „Conan der Barbar“ geboren ist und „Mister Universum“ und der letzte Gouverneur von Californien? Oder alle zusammen oder ein und derselbe? Dann muss Österreich der Nabel des Universums sein. Oder etwa doch nicht?


    Als wir zurückkamen, stand der Bulli noch genauso da, wie ich ihn abgestellt hatte. Keine Parkkralle, kein Ticket, keine Schleifspuren vom Sprengroboter, nichts. Aber vielleicht geht das ja heute auch alles online. Maximalstrafe ist –soweit ich das eruiert habe- 34 €. Ab 40 € gilt wohl das Vollstreckungsübereinkommen mit Österreich. Und wenn nicht? Auch egal.

  • Prag


    Als ob wir nicht schon genug Eindrücke auf dieser Tour gesammelt hätten. Weiter ging es Richtung Prag. Auch hier bin ich schon (öfter, auch beruflich) gewesen, meine Frau wiederum nicht. Also galt es, einen weiteren weißen Fleck auf ihrer Landkarte zu tilgen, nachdem wir früher auch meine Flecke getilgt haben. Unterwegs haben wir auf einem Campingplatz in Tschechien übernachtet, sensationell. Preis lag incl. Strom bei knapp über 10€, total freundlicher Service. Sehr empfehlenswert, werde ich in der Rubrik „Campingplätze“ posten. Nur die 20 Kronen-Stücke hatte ich vergessen, einen 1.000 Kronen-Schein konnte die Dusche nicht wechseln.


    Angekommen in Prag hatten wir erneut kein Parkplatzproblem. Das Navi führte uns zum Zentrum direkt vor ein Museum, genau 1 Parkplatz war frei, direkt neben einem Parkautomaten. Ordentlich wie ich bin, wollte ich einen Parkschein lösen. Ging nicht, außer Betrieb. Ich also ein Foto gemacht von dem Automaten zu Beweiszwecken und – wie in Deutschland üblich – die Parkscheibe vorne sichtbar platziert. Sodann erstmal in die falsche Richtung gelaufen, Google Maps ist da nicht so der perfekte Fußgänger-Navigator, vor allem braucht das Ding Akkuleistung ohne Ende bei Live Navigation. Ich hatte aber eine Powerbank mit und habe die tatsächlich auch gebraucht. "Was du alles immer dabei hast“, ja doch. Ich hatte sogar noch eine zweite. Die gab es mal bei Pearl für umme. Dann stellte ich fest, dass alle PArkautomaten, an denen wir vorbei kamen, außer Betrieb waren. Das ist mal nen Service, dachte ich. Sehr touristenfreundlich. Aber Pustekuchen. Birgit hat dann heruas gefunden, dass die gerade in Prag die PArkautomaten umstellen auf "online". Da war doch mal was ... Haben natürlich alle gecheckt außer mir. NA ja, an der Stelle können sie den Bus ja nun wirklich nicht abschleppen, direkt vor einem wirklich schönen Museum und wirklich eng geparkt. kennen die Tschechen Parkkrallen? Und was ist mit diesen fiesen kleinen Robotern? Na ja, das Museum hätten sie ja nicht gleich mit in die Luft gejagt.


    Unser Streifzug führte uns über eine grandiose Wohnbebauung letztlich doch noch in die Prager Altstadt. Irre, was da abgeht! Zwischen beruflichem Aufenthalt und touristischer Stippvisite ist doch ein himmelweiter Unterschied. War Wien schon voll, gibt es für Prag dann gar keine passende Bezeichnung mehr. Übervoll? Gestopft? Keine Ahnung. Ein Gedränge wie in Rom vor dem Fontana die Trevi oder in Venedig zwischen Rialto-Brücke und Markusplatz. Und irgendwie auch „verdient“. Was ich da an Gebäuden gesehen habe, da fehlen mir einfach die Worte. In Dresden haben sie ja ne Menge gemacht um die Frauenkirche und die Oper herum. Aber Prag, das ist das Ganze mal 10 oder mehr. Und im Gegensatz zu Wien wirkt (ist) das nicht vom Reißbrett heraus in einer kurzen Zeitspanne entstanden, sondern über etliche Epochen hinweg organisch gewachsen. Ein Schmelztiegel sonders gleichen. Also wenn ich Euch eine Empfehlung für eine europäische Großstadt aussprechen soll, die ihr besuchen müsst: Prag, nichts anderes. Da verschmerzt man auch den ganzen Touristenrummel, der kommt ja nicht von ungefähr.


    Bei der Rückkehr keine Kralle, kein Ticket, nichts. Ich mag die Tschechen. (Ende des Reiseberichts)

  • Rovinj war mein bevorzugter Urlaubsort während der Studienzeit, also Anfang der 80er Jahre. 4 Mann im Auto mit 2 Kriechzelten ... Wunderschöne Stadt, tolles Wetter und für minderbemittelte Studenten damals großartig günstig :D . Dein Bericht macht Appetit, Danke!


    Anmerkung: Anfang der 90er Jahre kannte man jedenfalls in einer kleinen Stadt vor Prag schon die Parkkralle: Wenn man das Schild am Stadteingang, das auf Tschechisch darauf hinwies, dass nur Einwohner mit dem Auto in die Stadt fahren durften, auf Grund von Sprachdefiziten nicht recht verstanden hatte und sich dann über die großzügigen Parkmöglichkeiten am Marktplatz gefreut hatte, musste man zum Verlassen des Parkplatzes in einer bunkerartig befestigten Bude direkt am Marktplatz einen deftigen Obulus zum Entfernen der Kralle bezahlen. Die hatten sich schnell auf den aufblühenden Tourismus eingestellt ...

  • Ja, Prag ist toll - war ich jetzt schon zweimal beruflich und zweimal privat. Immer wieder neue Seiten kennengelernt. Die Architektur ist top. Meistens vom Hotel (andere Flußseite) aus in, durch, und um die Altstadt herum gelaufen. Voll war es nur auf den Straßen drumrum - In der Altstadt selbst ging's.


    Danke für den Bericht!


    Gruß, Ralph